Zwischen Gelehrten-Idyll und Wissenschaftsgroßbetrieb: Der Soziologe Ferdinand Tönnies in Eutin und Kiel

Am 21. August 2020 hielt Alexander Wierzock einen Vortrag in der Eutiner Landesbibliothek. Beginn war 19:30 Uhr.

Kaum bekannt ist in Eutin, dass einer der maßgeblichen Begründer der Soziologie in Deutschland, Ferdinand Tönnies (1855-1936), zwanzig Jahre in Eutin gelebt hat. Als Tönnies 1901 mit seiner Familie Eutin zu seinem neuen Lebensmittelpunkt wählte, hatte er als „ewiger Privatdozent“ die akademische Karriere eigentlich abgeschrieben. In Eutin wollte er sich als Privatgelehrter einrichten und auf seine Forschungsarbeiten zurückziehen, die der Grundlegung des seinerzeit stark umstrittenen Projektes einer Wissenschaft des Sozialen – der Soziologie – dienten. Mit deren Formierung stieg aber auch die Anerkennung Tönnies‘. Der akademische Außenseiter wurde führender Kopf einer neuen Disziplin und bald am Institut für Weltwirtschaft in Kiel zum einflussreichen Sozialwissenschaftler und Ordinarius. Diesen sich wandelnden Lebensbedingungen geht der angekündigte Vortrag nach: Im Fokus steht dabei die Polarität zwischen Gelehrten-Idyll und Wissenschaftsgroßbetrieb, der sich für Tönnies biografisch im Gegensatz zwischen Eutin und Kiel konkretisierte.